SR. Univ.- Prof. Dr. Franz – Heinz v. Hye, MAS v/o. EB Hermes
Stadtarchivdirektor i.R. († 2017)

 


100 Jahre  katholische, farbentragende Studentenverbindung  Amelungia im TMV
Grundzüge ihrer Geschichte

 

Die Gründung einer christlich – katholischen Studentenverbindung an einer Mittelschule in einem deutschsprachigen Kronland der Österreichisch- Ungarischen Monarchie bedeutete in einer Zeit, die politisch im gesamten deutschen Sprachraum vom deutsch-nationalen Liberalismus beherrscht war, eine mutige Kampfansage !

 Das politische Klima in Staat und Schule – rivalisierende Verbindungen

 Die Devise der offiziellen Politik lautete „Los von Rom !“, womit damals nicht die Hauptstadt Italiens gemeint war, sondern der das Zentrum der katholischen Kirche und diese selbst. Das Ziel der liberalen Ära war es, den Einfluss der katholischen Kirche, wo es nur ging, einzuschränken. Dass dies insbesondere dem öffentlichen Schulwesen galt, versteht sich von selbst. Die meisten Schuldirektoren und Professoren  - und dies galt auch für Innsbruck – waren Vertreter des deutschnationalen und liberalen Lagers. Alles, was liberal war, erfuhr großzügige Förderung; freiheitliche Studentenverbindungen wurden unterstützt, katholische verboten. Einige Professoren der hiesigen „K.K. Lehrerbildungsanstalt“(= LBA) waren Mitglieder der damals an dieser Schule bestehenden, freiheitlichen Verbindung „Normannia“. Die drei katholischen Verbindungen an der Schule „Alemannia“ (gegr. 1906), „Herulia“ ( gegr. 1907) und „Vindelicia“ ( gegr. 1911) hingegen mussten ein Geheimleben führen. Nachweisbare Mitgliedschaft zu einer katholischen Verbindung hatte den Ausschluss aus der „Anstalt“ zur Folge. Allerdings lässt der Umstand, dass hier nebeneinander drei Verbindungen bestanden, erkennen, dass das katholische Lager nicht nur von der Politik verfolgt, sondern auch unter sich uneins war. Grundsätzlich muss dazu festgestellt werden, dass eine gewisse Pluralität auch Vorteile mit sich bringt. Dementsprechend konnten sich an der LBA in der Folgezeit zwei katholische Verbindungen nebeneinander halten, namentlich die bereits genannte „Alemannia“ und andererseits unsere im Jahre 1911 gegründete „Amelungia“.

 Die Gründung Amelungias

 Die Gründung „Amelungias“ vollzog sich in der Weise, dass sich fünf bekennende, christlich-katholische Studenten der damaligen staatlichen K.K. Lehrerbildungsanstalt trotz der vorherrschenden politischen Verhältnisse in einer, wenngleich zu Beginn  noch sehr kleinen, Studentenverbindung zusammenschlossen und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten darum bemühten, der offiziellen antikatholischen Ideologie der allgemeinen Schulbildung- und insbesondere der Lehrerbildung - so kräftig wie möglich und im Sinne unserer noch heute gültigen Prinzipien „RELIGIO  PATRIA  SCIENTIA  AMICITIA“ ( Religion, Vaterlandsliebe, Studium / Wissenschaft, Freundschaft ) entgegenzuwirken.

 Wie nötig diese damalige „katholische Aktion“ war, illustriert u.a. noch heute der Umstand, dass sich bei der ersten Innsbrucker Lehrerbildungsanstalt, der sogenannten „Normalschule“ in der Altstadt ( Kiebachgasse 10) eine stattliche, zudem wunderschöne -, spätbarocke Schulkapelle befunden hat ( heute bzw. seit den Erschütterungen durch den Bombenkrieg 1943/45 in desolatem Zustand ! ), während in dem 1877 – in der liberalen Ära - erbauten weitläufigen und  repräsentativen Neubau für die Lehrerbildungsanstalt, genannt das „Pädagogium“ ( heute „Bundesoberstufenrealgymnasium“, Fallmerayerstraße 7 A ), keine Schulkapelle vorgesehen war !

 Nach dieser Schilderung der bildungspolitischen Verhältnisse, unter denen die Gründung Amelungias stattgefunden hat, seien die Gründer unserer „Amelungia“ in Erinnerung gerufen.

Namentlich waren dies:

 Anton Kecht vlg. Theoderich

Otto Rief vlg. Alarich

 Anton Egger vlg. Hagen

Paul Eiterer vlg. Armin

Gustav Herkner vlg. Siegfried..

 

Eine katholische Verbindung – aber „Germanische Kneip-Namen“

 Wenn man diese Namen und insbesondere die von unseren Gründern gewählten „Kneip-Namen“ betrachtet, so drängt sich einem der Gedanke auf, dass sie alle weniger katholisch als germanophil gewesen sind. Die Erklärung für diese einigermaßen überraschende und befremdende deutschnationale Optik der Kneipnamen findet sich in dem Umstand, dass man noch durch Jahrzehnte der Meinung war, dass es zum Charakter auch einer katholischen Studentenverbindung gehöre, den seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gepflegten Brauch zu übernehmen und weiterzuführen, wonach man als Vorlage für die studentischen Kneipnamen das Namensgut der Deutschen Helden- und Göttersagen herangezogen hat. Dieser Brauch wurde übrigens noch bis in die 50-er Jahre des vorigen Jahrhunderts praktiziert und wurde erst allmählich durch andere Namensquellen der griechisch-römischen Geschichte ( wie z.B. Apollo, Orpheus, Hermes, Cäsar etc. ) sowie der Zeitgeschichte abgelöst ( wie z. B. Sputnik etc. ).

Nach diesem kleinen Exkurs bezüglich der mit der Gründung „Amelungias“ beginnenden Entwicklung unserer „Kneip-Namen“, wenden wir uns wieder der weiteren Geschichte unserer Verbindung zu.

 Für alle unsere fünf Verbindungsgründer war „Religion“ kein leeres Wort, sondern Bekenntnis! Sie waren alle Sodalen der marianischen Kongregation und legten durch ihren ernsthaften Glauben ein sicheres Fundament für das Gedeihen ihrer Gründung. Dieses Fundament musste sich auch schon bald bewehren.

Nur drei Jahre war Amerlungia alt, hatte sie Zeit sich zu entwickeln, als im Jahre 1914 die Geißel des Krieges mit jähem Schlage allem friedlichen Beginnen das Ende zu bringen schien.

 

 

Anton Kecht vlg. Theoderich mit Bundesbrüdern 1914 (1/2 4 Früh)


 

 Die Zeit des Ersten Weltkrieges

 Über die schreckliche Zeit des Ersten Weltkrieges ( 1914 – 1918 ) und über das Schicksal Amelungias in dieser schweren Zeit schrieb einer unserer Bundesbrüder, der dabei war, Folgendes: „Als wir Amelungen uns zum Schulbeginn im Herbst 1914 trafen, tobten an den         ( östlichen ) Grenzen unseres Vaterlandes schon die heftigsten Kämpfe und es stand fest, dass unser Egger vlg. Hagen und Kecht vlg. Theo, sowie unsere Urmitglieder Dietrich vlg. Odoaker und Zangerl vlg. Hildebrand, sich freiwillig zu den Fahnen, der eine zu den Kaiserjägern ( Dietrich ) die anderen zu den Kaiserschützen (Anm.: die damals bzw. bis 1917 noch Landesschützen hießen) meldeten.

 

 

Sommersemester  1915  Austriahaus


 Hin und wieder traf von diesem oder jenem, von da und dort eine Feldpostkarte ein, oder es las uns einer von den wenigen, die noch da waren, einen Brief vor, den er von einem Verbindungsbruder aus dem Felde erhalten hatte. Nach einigen Monaten mussten wir mit Betrübnis hören, dass Volker schwer verwundet in einem Spital in Ungarn, dass Hagen in einem Spital Wiens liege und zwar mit Granatsplittern im Kopf. Bald darauf vernahmen wir, dass unser Odoaker einen schweren Oberschenkelschuss erhielt. Wie groß war dann unsere Freude, als er auf Genesungsurlaub uns bei einer Kneipe aufsuchte. Zum ersten Mal einer der unseren, ein Kaiserjäger, ein „Fronttiger“ unter  uns! Doch des Leides gab es mehr als der Freude. Wie schmerzlich berührte es mich, als ich meinen Mitschüler Josef Pittl vlg. Blond(el) im Ursulinenkloster (Anm.: damals  am Marktgraben), von dem ein Teil Militärspital war, aufsuchte. Nach Durchwanderung einiger Lazarette und nach mehreren Operationen kam er in ein Spital nach Innsbruck, in dem er mit Krücken die ersten Gehversuche mit seinem um einige Zentimeter verkürzten Fuße machte. Wegen seiner Invalidität wurde er frontdienstuntauglich und kam dann als Leutnant der Standschützen ins Rekonvaleszentenheim Sonnenburgerhof (Anm.: Ehemaliger Gasthof an der Brennerstraße am Bergisel-Sattel, heute Wohnhaus). Dass Amelungia den Ersten Weltkrieg überdauerte, ist nicht zuletzt ihm zu verdanken, denn ein Bundesbruder nach dem anderen musste an die Front.

Einsam und still ist es in unserer Bude geworden. Wegen des damaligen Verbindungsverbotes musste sie des Öfteren gewechselt werden, sodass Verbindungsbrüder, wenn sie auf Urlaub kamen, erst bei Volker Auskunft erhalten konnten. Er war auch der einzige, der über die dauernd wechselnden Feldpostnummern der einzelnen Amelungen am ehesten Bescheid wusste“ (zitiert nach „Amelungen Wacht 1953/54, S. 33).

Insgesamt hatte Amelungia im Ersten Weltkrieg den Verlust von sechs Bundesbrüdern zu beklagen.

 

 


 

 

 

Der Neubeginn nach 1918 und das Denkmal für die gefallenen Lehrer Tirols

 

Während der Kriegsjahre waren zwar einige jüngere Mitglieder zur Verbindung gekommen, umso mehr war es wichtig den Kontakt zwischen diesen und der „alten Garde“ herzustellen und den Verbindungsbetrieb neu aufzunehmen und zu ordnen. So legte die Aktivitas noch im Jahre 1918 ein Inventar aller noch vorhandenen Couleurartikel und anderer Verbindungsutensilien an und bemühte sich, den Weiterbestand Amelungias auch in der unruhigen Zeit des damaligen Umbruchs von der Monarchie zur Republik zu sichern.

 

 

Winter-Semester 1920/21


Vor allem gelang es dem damaligen Senior Josef Hailand vlg. Wate am 23. November 1920 bei der Tiroler Landesregierung als Vereinsbehörde die amtliche Bestätigung der Verbindung zu erreichen. Das unterdessen herangewachsene Philisterium traf sich 1921 und 1923 bei Altherren-Konventen und befasste sich mit der Erstellung der AH-Statuten.

 

Obgleich Amelungia nunmehr eine offiziell anerkannte Studentenverbindung war, wurde sie von der Schule doch noch immer mit einer gewissen Ablehnung betrachtet. Der einzige Professor des Lehrkörpers, bei dem Amelungia etwas galt, war der als Literat bekannte Professor Anton Müller mit dem Dichternamen „Bruder Willram.“ Aus heutiger Sicht allerdings bewirken seine Helden- bzw. Blut und Boden - Dichtungen eher Ablehnung und Unverständnis. Zweifellos war es seinem Einfluß an der Schule zu verdanken, dass im Herbst 1924 auch Amelungia anlässlich der Errichtung und Einweihung des Denkmals für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer Tirols im Schulhof der LBA. beim nördlichen Eingang einen Kranz mit den Verbindungsfarben niederlegen konnte. 

 

Die Machtergreifung des italienische Faschismus in Italien ( 1922 ) und seine Folgen für Amelungia

 

Zur gleichen Zeit, als sich in Innsbruck die Atmosphäre für Amelungia besserte, wurde in der altehrwürdigen Bischofsstadt Brixen nach der Machtergreifung durch den Faschismus im Königreich Italien die Studentenverbindung UNITAS ( gegr. 1892 ) verboten und aufgelöst. Ihr letzter Senior war Kleriker des Augustiner-Chorherrenstiftes Neustift bei Brixen und studierte in Brixen Theologie. Sein Name war ANTON PLATTNER vlg. Suff. Er musste damals Neustift verlassen, kam nach Innsbruck und trat hier in das Prämonstratenser-Chorherrenstift Wilten ein, wo er in der Folge sein Studium beendete und ( 1929 )zum Priester geweiht worden ist. - Durch seinen Ordensbruder Gottfried Schöpf vlg. Hektor lernte er dort Amelungia kennen und schätzen. Bereits ein Jahr später wurde er als „Ehrenbursch“ in die Verbindung aufgenommen.

 

 

EPH HH. O.Präm. Gottfried Schöpf vlg. Hektor


Die Ära „I“ von Anton Plattner vlg. Dr.Suff  ( 1925 – 1938 )

Der Zeitpunkt, zu dem dieser große Idealist, Initiator und Organisator zu Amelungia kam, traf sich gut. Eben hatte sich die Verbindung zwar von den Schlägen des Ersten Weltkrieges und der Nachkriegszeit einigermaßen erholt, hatte sich aber hinsichtlich ihrer Kräfte beinahe erschöpft und neigte dazu zu stagnieren. In dieser Phase nun trat Anton Plattner in das Leben Amelungias und gab ihr neue Impulse, neues Leben. Insbesondere zeigte sich dies bereits im Jahre 1926. Einerseits feierte in diesem Jahre Gottfried Schöpf vlg.Hektor seine Priesterweihe und Primiz: Anton Plattner sorgte dafür, dass Amelungia bei der Primiz erstmals in Vollwichs auftreten konnte.

 

Andererseits betrieb Plattner mit vollem Einsatz, dass für Amelungias im Kriege gefallene Bundesbrüder am Tummelplatz ein würdiges, altes schmiedeeisernes Kreuz aufgestellt werden konnte, welches er vom einheimischen Künstler Ludwig Sturm hat restaurieren lassen.

 

 

Tummelplatzfeier  12.11.1926 


 

 

 Es stand an derselben Stelle, wo sich – ebenfalls dank der Initiative Dr.Suff’s - auch das heutige Amelungen-Denkmal befindet.

Das folgende Jahr brachte die Konstituierung des „Tiroler Mittelschülerverbandes ( TMV )“ als Dachverband aller katholischen Tiroler farbentragenden Mittelschulverbindungen, wobei Dr.Suff’s  Amelungia  als Gründungsmitglied wesentlich mitgewirkt hat.

 

Amelungia erhält eine Fahne – im zweiten Anlauf

Damals fehlte der Verbindung noch eine würdige Fahne. Um eine solche zu gewinnen, spendete er selbst und sammelte bei allen seinen Freunden, - und schließlich konnte am 19.März 1927 Amelungias Fahne in der Pfarrkirche von Hötting vom dortigen Pfarrer AH. Gottfried Schöpf Ord. Präm. vlg.Hektor geweiht werden. 

Am selben Tage wurden EB Suff und AH Josef Hailand vlg. Wate zum Dank für ihren Einsatz zu „Doctores cerevisiae“ promoviert.

 

Leider aber sollte die Freude an der neuen Fahne nur von kurzer Dauer sein. Durch einen AH entehrt, wurde sie noch im selben Jahre von Dr. Suff  kurz entschlossen  verbrannt.

 

Ungleich größer aber war die Freude, als Dr. Suff bereits ein Jahr später der Verbindung eine neue, noch viel schönere Fahne schenken und präsentieren konnte. Sie wurde am 12. August 1928 in Biberwier geweiht. Der Ort der Fahnenweihe ergab sich durch den Umstand, dass damals Dr. Wate Oberlehrer in Biberwier war.

 

 

Fahnenweihe in Biberwier 12. August 1928

 

Die Fahnenweihe gestaltete sich zum großen Fest, - dem größten, welches Amelungia seit ihrem Bestehen feiern durfte. Die Organisation lag in den Händen Dr. Wate’s. Die Spitze des Zuges zur Heiligen Messe und Fahnenweihe bildete ein Chargierter hoch zu Ross mit einer kleinen Verbindungsstandarte in seinen Händen, wobei auch das Pferd Pferdedecken mit Amelungias Wappen trug. Zum Ausklang des Festes führten die Aktiven noch das Theaterstück „Alt-Heidelberg du Feine“ auf.

 

Neue Statuten und ein eigenes Verbindungsorgan, die „Amelungenwacht“

 

Im Jahre 1929 beschloss die Verbindung und zwar sowohl die Altherrenschaft als auch die Aktivitas neue Statuten, die am 6. März 1930 ihre amtliche Bestätigung erfuhren.

Einen beredten Hinweis auf die bis dahin stark angewachsene Mitgliederzahl ( 76 ) liefert überdies der Umstand, dass man damals zwecks besserer Kommunikation beschlossen hat, eine eigene Verbindungszeitschrift, nämlich die „Amelungenwacht“ herauszugeben.

 

 

Sommer-Semester 9.3.1930 (Signierung von Dr. Suff)


 

Anton Plattner feiert Priesterweihe und Primiz - wird Kooperator in der Pfarre Pradl.

 

Am 11. August 1929 feierte Anton Plattner Ord. Praem.vlg. Dr.cer. Suff in seiner Heimat-Pfarrkirche in Mühlau seine Primiz.


 

Im folgenden Jahr übersiedelte er aus dem Kloster Wilten, wo der stets Güte ausstrahlende Abt Heinrich Schuler (1922 – 1949) den Amelungen stets herzlich begegnete, als Kooperator in das Pradler Pfarrhaus bzw. Widum.

             Kurz zuvor hatte Amelungia erstmals den Vorsitz im TMV übernommen, wobei Anton Plattner zum Landesvorsitzenden gewählt worden ist. Für Amelungia hatte damit eine neue Epoche begonnen, - sie war nun in aller Öffentlichkeit erster Repräsentant des TMV und seine katholische und österreichische Gesinnung.

Bald nachdem Dr. Suff Kooperator in Pradl geworden war, fand auch Amelungia in Pradl, und zwar im ( ehemaligen ) Gasthof  Volderauer an der Reichenauer – Straße ein neues Heim: Aus diesem Anlass stiftete Dr. Suff das erste Budenbuch!

 

 

 

 

 


 

Durch das große Entgegenkommen des Pfarrers Nikolaus Rogger ( 1930 – 1932 ) und des Kooperators Ludolf Parigger ( Pfarrer 1932 – 1933 ), dem Alfons Kröss als Pfarrer folgte, war es  Dr. Suff möglich, in kurzer Zeit einen engen Kontakt zwischen Amelungia und der Pfarre Pradl herzustellen. Amelungen führten die Jugendhorte (Anm.: später in Hötting), halfen bei der Führung der Matrikenbücher und waren vor allem tatkräftige Mitgestalter der kirchlichen Feiern.

So hielten Amelungias und Markomannias Chargierte zu Ostern 1931/32/33/ 34 die Wache am Heiligen Grab der Pradler Pfarrkirche und legten damit den Grundstein für die so schöne, nach dem Zweiten Weltkrieg dann in Amras (1950 – 1958) neu belebte Tradition Ame-lungias.

Desgleichen beteiligten sich Amelungia und - durch sie angeregt – die TMV – Verbindungen vom Jahre 1932 bis zum Jahre 1937 mit Chargierten und möglichst allen, in Innsbruck präsenten Mitgliedern an der Pradler Fronleichnams-Prozession, - wie nach 1945 in Wilten.

 

 

Fronleichnamsprozession in Pradl 1932


 

Weiters legte Amelungia durch ihre Mitwirkung und Teilnahme an der Volksmission in Pradl im Jahre 1932 sowie bei vielen anderen Gelegenheiten öffentlich Bekenntnis zur Katholischen Kirche ab. Durch all dies wurde Pradl in dieser Zeit zur Heimat Amelungias und des TMV. Die herzliche Verbundenheit zwischen Pradl und unserer Verbindung kam auch dadurch zum Ausdruck, dass Pfarrer Parigger am 19.November 1932 vom Burschenkonvent zum Ehrenmitglied Amelungias ernannt worden ist.

 

 

 

EM HH. O.Präm. Parigger Ludolf vlg. Haymo


 

Ebenfalls in die Pradler Zeit fällt jener Tag, an welchem Amelungia erstmals ein eigenes Herz-Jesu-Bergfeuer abgebrannt hat. Es war dies der 5.Juni 1932 und zwar am Hafelekar (Seit 1934 und dann wieder nach der NS – Zeit zelebriert die Verbindung ihr Bergfeuer auf der  Herzwiese ungefähr auf der Höhe bzw. östlich der Dreier-Stütze der Nordkettenbahn), wobei unser Bergfeuer seither stets die Form eines über einem dreieckigen Fundament aufgerichteten Kreuzes hat.

 

 

Herz Jesu Bergfeuer 1953 ( Dr. Suff, Laurin, Faust, Falk, Käthe, Fender


  

 

Herz Jesu Bergfeuer auf der Herzwiese 1953


 

Seit der Machtergreifung der NSDAP Adolf Hitlers im Deutschen Reich gemäß ihres Wahlerfolges bei den deutschen Reichsratswahlen am 30.Jänner 1933 verschärfte sich die politische Lage auch in Österreich immer mehr:  - Amelungia weiht sich dem Herzen Jesu!

 

Angesichts des seit ihrem Wahlerfolg immer stärker werdenden Einflusses der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterparte (NSDAP)“ und ihrer auch in Österreich immer gewalttätiger werdenden Agitation nahm Amelungia in eindeutiger Weise gegen diese Politik Stellung. Am 6. Mai 1933 beschloss unser Burschenkonvent einstimmig:

1)       „Kein Amelunge darf Nationalsozialist sein. Tritt einer der NSDAP bei oder trägt das Hakenkreuzabzeichen, so wird er  - falls dies zeugensicher bewiesen ist – „cum infamia“ dimittiert.

2)      Um allen anti-römisch-katholischen und anti-patriotischen Strömungen ein Bollwerk zu  bieten, weiht sich die Verbindung dem Herzen Jesu und gelobt so für immer unentwegte Treue zu Kirche und Heimat.“

 

Die Weihe an den göttlichen Bundesherren wurde am 2. Juni 1933 in der Pradler Pfarrkirche vorgenommen, wobei Abt Heinrich Schuler von Wilten das Treuegelöbnis der Amelungen entgegennahm. Zum Abschluss des Weiheaktes erhielt Amelungia aus der Hand des H.H. Officiators den Apostolischen Segen Papst Pius XI.

 

 

 

Apostolischer Segen Papst Pius XI


 Acht Tage später, am 10. Juni 1933, beschlossen der Burschen- und der Altherrenkonvent einstimmig den korporativen Beitritt Amelungias zur „Vaterländischen Front ( VF )“. Noch am selben Tage wurde dem „Frontführer“, Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß dieser Beschluss telegraphisch mitgeteilt.

 

 

 


 

 

So hat unsere Verbindung klar und entschlossen ihr Bekenntnis für Österreich abgelegt und Stellung genommen. - Zehn Tage nach diesem offiziellen Beschluss wurde Amelungia zum dritten Mal zur Vorsitzenden Verbindung im TMV gewählt.

 

Amelungia wird eine „österreichische“ Verbindung

 

Im Herbst 1933 nahm die Verbindung am „Allgemeinen deutschen Katholikentag“ in Wien
( 8. – 12. September 1933) teil; - die Katholiken aus dem Deutschen Reich konnten daran infolge der von Hitler ganz gezielt erlassenen sogenannten „1000 Mark – Sperre“ nicht teilnehmen ( Diese Sperre bedeutete nämlich, dass jeder Deutsche, der nach Österreich einreisen wollte, zuvor dem deutschen Zoll 1000 Mark zu erlegen hatte !)

Die heute unverständliche Bezeichnung des damaligen Katholikentages in Wien als „deutschen Katholikentag“ resultiert teilweise noch aus der Zeit der Monarchie, als man im Österreichischen Kaisertum zwischen den deutschen bzw. deutschsprachigen und den anderssprachigen Österreichischen Kronländern unterschieden hat. Allerdings gab es auch im Katholischen Lager Österreichs nicht wenige Deutschnationale, die – wie schon das Plebiszit vom 24.  April 1921 zeigte – mit einem Anschluss Österreichs an Deutschland sympathisiert haben. Maßgeblich für den damaligen Wunsch nach Vereinigung waren allerdings angesichts der Not nach dem Ersten Weltkrieg vor allem wirtschaftliche Motive. – Doch nun zurück zur Geschichte Amelungias, die 1933 angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung Österreichs ihre Statuten dahingehend änderte dass sich Amelungia fortan nicht mehr als „deutsche“ sondern als „österreichische“ Verbindung“ bezeichnete und sich dazu auch bekannte.

 

Während der bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen zwischen dem katholischen und dem linken Lager im Februar 1934 hielten Amelungen mit der Waffe in der Hand Wache am Hauptbahnhof.

Nach der Ermordung von Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß, den Nationalsozialisten bei einem Putschversuch am 25.Juli 1934 im Bundeskanzleramt mit zwei Schüssen schwer verletzt, ihm jedoch jede ärztliche Hilfe verwehrt haben und ihn hilflos verbluten ließen, war es für Amelungia eine Ehrenpflicht an dessen Begräbnis in Wien teilzunehmen.

 

 

Ehrengrab in Wien - Hietzing 


Mit der Genehmigung der Witwe des Ermordeten nahm Amelungia das Bild Dr. Dollfuß auch in ihr Totenbuch auf und benannte ihr Gefallenen-Denkmal am Tummelplatz als „Dollfuß-Kreuz“.

In diesem Zusammenhang mag auch daran erinnert werden, dass sich in der Kaiserschützen-Kapelle am Tummelplatz noch heute das einzige zeitgenössische Innsbrucker Dollfuß-Denkmal ( in Gestalt einer Portrait-Platte ) befindet; - da es sich an der linken Wand innen befindet, wurde es von den Organen des NS-Regimes übersehen !

 

Auch die LBA bekannte sich nun zu einem katholischen Österreich – und zu Amelungia

Seit 1933 bekannte sich auch unsere LBA zu den Grundwerten eines katholischen Österreich.

So hat der damalige Direktor, Hofrat Dr. Alfons Frick ( Direktor von 1918 bis 1934 ), selbst Gründungsmitglied der „Akademischen Katholischen Verbindung Tirolia“, im letzten Jahre seiner Amtszeit alle Verbindungen an der LBA, Alemannia, Herulia und Amelungia, gebeten, bei der Einweihungsfeier des „Goldenen Ehrenbuches“ der Schule, dediziert allen im Ersten Weltkrieg gefallenen Tiroler Lehrern sowie dem ermordeten Bundeskanzler nicht nur teilzunehmen sondern auch zu chargieren. Es war dies am 4.November 1934. Die Verbindung bedankte sich für diesen Akt der Anerkennung durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an mehrere Professoren beim Stiftungsfest am 17.November 1934.

 

Einen wesentlichen Fortschritt für die Entwicklung des TMV brachte durch die Initiative unseres Dr.cer. Suff, damals Vorsitzender des TMV, am 15.Dezemberr 1934 die Aufnahme Amelungias in den MKV. Im Anschluss daran wurden auch die übrigen TMV – Verbindungen in den MKV aufgenommen.

 

 

TMV – Präsidium + AH Vertretung 1932/33

x Dr. Suff, xx Dr. Rüdiger, xxx Panzen, xxxx Gernot, Laurin AH Substitut, Wolfram AH Vertreter


 

Damit war u.a. die Voraussetzung dafür geschaffen, dass am 30. April und 1. Mai 1936 zugleich mit dem 25.Stiftungsfest Amelungias und unter ihrem Vorsitz erstmals in Innsbruck

der Österreichische Pennälertag abgehalten werden konnte.  – Es war dies das letzte große Fest Amelungias vor den Umwälzungen, die zwei Jahre später über Österreich hereingebrochen sind.

Bevor wir uns jedoch damit beschäftigen, haben wir uns noch einem für die folgenden mehr als zwanzig Jahr entscheidenden Ereignis zuzuwenden: Es war die Bestellung Anton Plattners zum Pfarrer von Amras im Jahre 1937. Hier wirkte Dr.Suff nun bis zu seinem allzu frühen Tod im Jahre 1958. Das Schicksal wollte es übrigens, dass der Verfasser dieses Beitrages, geboren am 21. Dezember 1937, in Amras das erste Kind war, welches von Dr. Suff als Pfarrer von Amras getauft worden ist: Mir wurde Amelungia sozusagen in die Wiege gelegt!

 

Wenige Monate später wurde die politische Atmosphäre Europas durch die Machtergreifung Hitlers in Österreich bzw. durch den Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am 12.März 1938 erschüttert. Bekanntlich sollte es dabei jedoch nicht bleiben, vielmehr war dies nur der erste brutale Schritt zur Schaffung des Großdeutschen Reiches, - welches vom „Führer“ als das „Tausendjährige Reich“ proklamiert worden ist.

Am 12.März 1938 wurde also Österreich kampflos von den Truppen der Deutschen Wehrmacht besetzt.  Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg hat dabei dem Österreichischen Bundesheer befohlen, keinen Widerstand zu leisten, um Blutvergießen zu vermeiden! Am folgenden Tag wurde dann – wie in Berlin bereits vorbereitet - von der sofort neu ernannten Österreichischen Bundesregierung unter Seyß-Inquart das Bundesverfassungsgesetz über den Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich verabschiedet. Für den Augenblick hatte Österreich damit aufgehört zu bestehen.

Um den militärischen Einmarsch im Nachhinein formal zu legitimieren, inszenierte Hitler am 10. April 1938 eine sogenannte Volksabstimmung über den Anschluss an das Deutsche Reich, die vor den wachsamen Augen der neuen Machthaber und keineswegs geheim durchgeführt worden ist. Sie brachte dementsprechend das gewünschte Ergebnis. Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich konnte so als freiwilliger Akt des Österreichischen Volkes interpretiert worden ist. Die Österreicher waren daher von nun an Deutsche Staatsbürger und zur Wehrpflicht in der Deutschen Wehrmacht  verpflichtet. – Was dies bedeutete erlebten die Soldaten aus der nunmehr „ins Reich heimgekehrten Ostmark“, nachdem Hitler am 1. Sep-tember 1939 mit dem Überfall auf Polen den 2. Weltkrieg begonnen hat!  Auf die fürchterlichen Folgen dieses Krieges an den Fronten und in der Heimat, verbunden mit einer mörderischen Innen- und Außenpolitik muss und kann hier nicht näher eingegangen werden. Abgesehen von den Partei-Bonzen, die sich 1945 vorwiegend nach Südamerika in Sicherheit abgesetzt haben, gab und gibt es kaum eine Familie, die nicht unter den Gräueln des Krieges, der Bombardements und der politischen, religiösen und rassischen Verfolgung durch das NS – Regime zu leiden hatte ! 

Ungeachtet der genannten fundamentalen Veränderungen und des damaligen Verbotes aller Vereinigungen etc., die nicht „Gliederungen der NSDAP“ waren, - allem dem  zum Trotz wagte es Amelungia noch am 29. Mai 1938 in aller Stille eine letzte Kneipe zu schlagen. Danach galt es, auf alles Äußerliche zu verzichten und aus neuer Verinnerlichung unserer Prinzipien Kraft zu schöpfen, um die Nacht des angekündigten „1000-jährigen“ Reiches überstehen zu können.

Oswald Leitner vlg. Gernot schilderte diese Zeit mit folgenden Worten: „Die Iden des März 1938 haben über uns viel Leid gebracht“. Mit Tränen in den Augen erlebten die Bundesbrüder den Untergang des geliebten Vaterlandes. Über Nacht verteilte man noch das Verbindungsinventar auf einzelne Getreue. Das „Budenbuch“ als das Geschichtswerk Amelungias wurde bei einem Bauern im Stubai vergraben. Alles Sichtbare unserer Gemeinschaft ging verloren, die Treue blieb. Amelungen erfuhren Strafversetzungen, Enthebungen, Kerkerhaft u.a.m. Wie vorauszusehen, kam der Zweite Weltkrieg. Bundesbrüder kämpften an allen Fronten. Immer ( wieder ) aber fanden sich während der Verbots- und Kriegszeit Amelungen bei Dr.Suff ein und frischten in alten Erinnerungen ihre Brudertreue auf. Wie oft reiften dort Pläne für eine spätere Zeit, an die man während der Siegesmeldungen und Todesnachrichten  - 11 Amelungen verbluteten auf den Schlachtfeldern – kaum selbst zu glauben wagte.

Unsere Verbindungsfahne wanderte von einem Versteck in das andere; bald war sie am Dachboden, bald im Amraser Kirchturm, dann wieder war sie in die Bettdecke Dr. Suffs eingenäht, denn gerade sie musste als Symbol unserer Gemeinschaft gerettet werden ( zitiert nach „Amelungenwacht“ 1950/51, S. 25).

 

 

Der Mai 1945 brachte die neue Freiheit und die Erneuerung Amelungias


So überdauerte Amelungia das „1000-jährige Reich“, welches für Österreich zwar nur sieben Jahre, aber doch viel zu lange gedauert hat!  Am 3. Mai 1945 war die Macht des Nationalsozialismus in Innsbruck endgültig gebrochen. US-Truppen marschierten in die Stadt ein. Österreich war befreit!

Wie der Staat im Großen, so begann nun auch Amelungia im Kleinen ihre Zukunft neu aufzubauen. Schon am 16. Juni 1945 fand die neue Konstituierung des TMV. statt, - Dr.Suff wurde zum Vorsitzenden gewählt. Am 5. Juli trafen sich die Amelungen – soweit sie in Innsbruck anwesend waren – im Amraser Pfarrhaus und befassten sich mit der Abfassung neuer Statuten. Maßgeblich tätig dafür waren Dr. Suff und Franz Bachinger vlg. Dr.cer. Rüdiger. Zwar noch im gleichen Jahre eingereicht, verzögerte sich die Genehmigung der neuen Statuten durch die Vereinsbehörde bis zum 15. Oktober 1946 bzw. 2. Juli 1947.

           Dessen ungeachtet trat der eigentliche konstituierende Konvent Amelungias bereits am 21. November 1945 zusammen, weshalb dieser Tag auch als Tag der Neugründung in die Verbindungsgeschichte eingegangen ist. Dabei anwesend waren folgende Bundesbrüder:

 

HwH. Anton Plattner O. Praem.vlg. Dr.cer. Suff,

Franz Bachinger vlg. Dr.cer. Rüdiger

Josef Hailand vlg. Dr.cer. Wate

Alfred Fügenschuh vlg. AH Panzen

Arthur Haidl vlg. AH Roland

Erich Hailand vlg. AH Ingo

Elmar Mayr vlg. AH Elmar

Walter Oberhuber vlg. AH Horst

Johann Oeggl vlg. AH Daggl

 

Die drei Erstgenannten haben die Neu-Konstituierung in langwieriger, mühevoller Arbeit vorbereitet und wurden daher vom BC mit der Verleihung des Titels „Neugründer“ geehrt und bedankt.

 

Wie das Verzeichnis der Chargenkabinette zeugt, bekleideten in der ersten Zeit des Neubeginns „Alte Herren“ die Aktivenchargen. Jede freie Minute wurde zum „Keilen“ neuer Mitglieder an der LBA - verwendet. In dieser Phase fungierte Dr.Suff als Fuchsmajor und hielt mit den Spefüchsen in seinem Pfarrhof in Amras Heimabende ab, um die neuen Kandidaten heranzubilden. So wurde es möglich, dass bereits am Nikolofestabend 1945 ( ! ) die erste Rezeption von vier Füchsen „steigen“ konnte.

Heute kaum mehr vorzustellen ist auch, dass die Verbindung ihr 35. Stiftungsfest am           16.  November 1946 – gleichsam ihr Publikationsfest nach dem Zweiten Weltkrieg -  sogar mit einem eigenen Verbindungsorchester feiern und dabei rund 400 Teilnehmer begrüßen konnte.

 

Ab 1947 pendelt sich in unserem Programm wieder eine gewisse Regelmäßigkeit ein  - die Bildungsarbeit wird intensiviert

 

Im Sommersemester 1947 übergaben die Altherren alle Chargen an die neuen Aktiven.       Dr. Suff, dem die Ausbildung der neuen Chargierten vorwiegend zu danken war, wurde mit der Verleihung des Titels „Fidissimus Signifer Amelungiae“ ( = Allergetreuester Bannerträger Amelungias“) in besonderer Weise bedankt, die übrigen Altherren, die provisorisch Chargen übernommen hatten, wurden zu „Ehrenburschen“ ernannt.

 

 

Urkunde vom 8. März 1947


In der Verbindungsarbeit traten neben die Farbenabende ( Kneipen etc. ) als neuer, intensiv betriebener Schwerpunkt die Bildungsabende, wozu sowohl hervorragende Fachreferenten engagiert, als auch die eigenen Verbindungskräfte aktiviert worden sind. So z.B. war es Voraussetzung zur „Burschung“, dass der betreffende Kandidat zuvor ein Referat über ein ihm von unserem Fidissimus oder unserem jeweiligen Bildungsreferenten vorgegebenes Sachbuch halten musste. Diese betreffenden Bücher bilden noch heute eine stolze Erinnerung an unsere Aktivenzeit.

 

Zu Pfingsten 1949 fand in Innsbruck unter dem Vorsitz Amelungias der 7. Österreichische Pennälertag statt und erinnerte freudvoll an jenen des Jahres 1936. Ein nicht minder feierliches Fest war das 25-jährige Priesterjubiläum unseres Fidissimus.

  

Seit 1947 brannte Amelungia wieder ihr Herz-Jesu-Bergfeuer ab, seit 1950 hielten Amelungen die Wache am Heiligen Grab in der Amraser Pfarrkirche, - ein bleibendes Erlebnis für alle die daran teilnehmen konnten.

 

Ab 1952 beteiligte sich Amelungia gemeinsam mit allen Innsbrucker TMV-Verbindungen an der Fronleichnams-Prozession in Wilten.

 

 

Fronleichnamsprozession Wilten 1952


  

 

11. Pennälertag in Krems Dr. Suff mit Altbundeskanzler Ing. Leopold Fiegl (NBP) – 24.5.1953


 

Über die Grenzen Österreichs gelang unserem Fidissimus eine ebenso herzliche wie intensive Kontaktaufnahme mit den Verbindungen in der Schweiz. Unter dem Seniorat unseres Ehrenburschen Hans Gänzer vlg. Rolly – später Professor an der Pädagogischen Akademie des Bundes hier in Innsbruck – kam es zum Bändertausch der Senioren einer GV Angelomontana zu Engelberg und der Amelungia zu Innsbruck, zelebriert 1955 beim Schweizer Zentralfest und erneuert beim 99. Stiftungsfest Amelungias im Jahre 2010.

 

 

EB  Hans Gänzer vlg. Rolly nach dem Bändertausch mit dem

Aktiven e.v. GV Angelomontana (2010)


 Im Jahre 1957 übernahm Amelungia die Patenschaft über die mit ihrer Hilfe reaktivierte Verbindung Laurinia zu Brixen. Der betreffende Publikations- und Stiftungsfestkommers fand dort am 12. Juli 1958 statt.

 

Unser Fidissimus verstorben !

 

Drei Monate später, am 25.Oktober 1958, traf Amelungia der wohl schwerste Schlag seit ihrer Gründung: An diesem Tage starb nach schwerer Krankheit unser „Fidissimus“, Stadtpfarrer Anton Plattner Ord. Praem.vlg. Dr.Suff.

Wie Prof. Dr. Josef Glettner, CII in seinem Nachruf tief empfunden formuliert hat, stand Amelungia nun „wie ein Waisenkind am Grabe ihres „Allergetreuesten“, wie ein Kind, das zugleich Vater und Mutter verloren hat.

Vier heute betagte Altherren Amelungias, in der Vollwix der Verbindung, hielten an seinem, in seinem Kloster Wilten aufgebahrten Sarg die Totenwache.

 

 

Fidissimus Signifer Stadtpfarrer Antom Plattner v/o Dr.cer. Suff 


 

Die schweren Jahre Amelungias nach dem Verlust ihres „Fidissimus.“ 

Doch wie bei jedem Todesfall eines lieben Verwandten oder Freundes, so musste auch nach dem Ableben Dr. Suffs das Leben der Verbindung irgendwie weitergehen. Und tatsächlich war es nur ein Irgendwie- weiterwursteln, denn eine Herde, die sich viele Jahre lang nach einer Führungspersönlichkeit richtet, ist nicht so schnell im Stande, plötzlich eine neue derartige Persönlichkeit hervorzubringen.

  

Umso mehr haben wir vor allem jenen Philistersenioren und Aktivisten zu danken, die das Schifflein Amelungias seither einigermaßen gelenkt haben. 

Es sind bzw. waren dies namentlich:                    

Anton Kecht vlg. Dr. cer, Theo I

Alois Auer vlg. Zapfen

Josef Hailand vlg. Dr. cer. Wate

Arthur Haidl vlg. Roland II

Max Plattner vlg. Dr. cer. Laurin

Anton Plattner vlg. Dr. cer. Suff

 Franz Bachinger vlg. Dr. cer. Rüdiger

 Owald Leitner vlg. Dr. cer. Gernot

 Josef Dietrich vlg. Dr.cer.Odoaker

 Hans Gänzer vlg. EB Rolly

 Herbert Pogatschnig vlg. EB Sigurd

 Andreas Hochenegger vlg. Gunnar

 Hubert Stolz vlg. Eckhart

 Alfred Michalek vlg. Dr. cer. Ortwein

 Kurt Rubner vlg. Dr. cer. Hektor

 Marco Hopfgartner vlg. Hopfi

 Mag. Stefan Elmer vlg. EB Garfield

 

Ein besonderes Problem bildete in dieser Zeit bzw. bis zur Schaffung unserer jetzigen Bude die Frage nach dem Heim unserer Verbindung. Seit der Neugründung 1945 befand sich unsere Bude in einem geräumigen Lokal im 1. Stock des Gasthofs Dollinger an der Haller Straße nahe der Mühlauer Innbrücke.

 

 

 

 

der Kneipraum beim Dollinger im 1. Stock -  1949 

 

 


Mit der Zunahme des Fremdenverkehrs konnte der dortige Wirt aber bei aller Freundlichkeit zu dem aus Mühlau gebürtigen Dr. Suff diesen Raum nicht mehr nur als Dauer-Mietobjekt betrachten, -und Amelungia musste auf Herbergssuche gehen.

 

Erste Station -und wie es sich nach Jahren zeigen sollte hoffentlich dauernde Endstation -war das Jugendheim Hötting, wohin wir 1955 übersiedelt sind. Als "Mietzins" an den Burschenverein Enzian entrichteten wir eine "Naturalleistung", d.h. die Aktiven höheren Semester führten kostenlos den Jugendhort in Hötting. Auch der Verfasser selbst kann sich an diesen Einsatz noch sehr lebhaft erinnern.

 

Bald nach Dr. Suffs Tod verlor die Verbindung auch ihr Heim, weshalb bereits der BC am

8. Jänner 1959 und die folgenden nicht mehr in der Bude, sondern im Gasthof "Ottoburg" und die Eröffnungs-Festkneipe des Wintersemesters 1959/60 beim Cafe "Baumann" abgehalten worden sind. Eine Nomadenwanderung durch Innsbrucker Gaststätten (Bierwirt, Tengler etc.) begann.

 

Von Anfang 1960 bis April 1962 bildete dann der Saal des "Pradler Hofs" unser Quartier. In diesem Zusammenhang verdient besonders angemerkt zu werden, das uns dort am 19. April 1961 unser Altbischof Prof. Dr. Reinhold Stecher besuchte und einen Lichtbildvortrag über das Heilige Land hielt. Das bedeutendste couleurstudentische Ereignis in diesem "Heim" war die Promotion Direktor Oswald Leitners v. Gernot zum "Doctor cerevisiae" (1961).

 

 

Doktorpromotion – Dir. Oswald Leitner vlg. EB Gernot 2.Oktober 1961 


 

Im Sommersemester 1962 begann für Amelungia dann neuerdings ein Wanderdasein, bis wir am 26. Mai 1965 neuerlich im Jugendheim Hötting eine eigene Bude beziehen konnten.

 

 

Bude in der Schneeburggasse 1986 


 

Den inneren Problemen Amelungias nach 1958 trat 1967 noch ein gewichtiges Äußeres zur Seite: Es war die Veränderung der Lehrerbildung bzw. die Auflassung der LBA, die einerseits 1968 durch die hochschulmäßige Pädagogische Akademie des Bundes und andererseits durch das Musisch-pädagogische Bundesrealgymnasium abgelöst wurde, wobei letzterer Schultyp 1976 zum Bundes-Oberstufen ­Realgymnasium umgewandelt worden ist. Aus der einstigen Lehrerverbindung wurde dadurch eine Mittelschulverbindung ohne besondere Berufsausrichtung.

 

1992 ging die Wanderung und Suche nach einer Bude erneut weiter, da uns mitgeteilt wurde, dass das alte Vereinsheim in Hötting dem Neubau eines städtischen Kindergartens weichen muss. Durch die Intervention von Kurt Rubner v/o Dr. cer. Hektor unseres damaligen Philisterseniors, bei der Stadt Innsbruck wurde uns der Vorschlag unterbreitet in den Keller der Volksschule Angergasse im Westen Innsbrucks zu übersiedeln.

 

 

die neue Bude in der Angergasse 1992


 

Wir nahmen in unserer Notsituation diesen Vorschlag dankend an. Hier gilt ein besonderer Dank unseren Bundesbrüdern HR Mag. Hermann Girstmair vlg. Siegfried und dem leider schon verstorbenen RegRat Johann Rückauf vlg. Dr. cer. Tell, die sich für die neue Bude einsetzten. Durch zahlreiche helfende Hände und Sponsoring der Brau AG die uns eine komplette Bar mit Kühlanlage und Zapfhahn zur Verfügung gestellt hat, entstand so in kürzester Zeit eine neue Heimstätte, die uns bis zum heutigen Tag erhalten blieb.

 

 

 

das erste Bier auf der neuen Bude 1992


 

In all den Jahren gab es bei den Aktivenzahlen immer wieder ein Auf und Ab.  Aber durch den Einsatz und den unbändigen Willen vieler Bundesbrüder  ist es uns immer wieder gelungen „Mater Amelungia“ am Leben zu erhalten.

 

So ist es mein größter Wunsch zum 100. Stiftungsfest  den Fortbestand Amelungias zu sichern und die Werte von Generation zu Generation weiterzugeben.

Vivat, crescat, floreat Amelungia, ad multos annos!

 

Alternative

K.Oe.St.V. Amelungia Innsbruck